Agent Alice Test: Lachen oder weinen? Hauptsache erstmal warten!

Agent Alice und Kollegen.

Wer sich für eine Karriere als Gesetzeshüter interessiert, braucht heutzutage nicht mehr so anstrengende Dinge wie eine Polizeiausbildung oder dergleichen über sich ergehen zu lassen. Die App Stores sind voll von Kriminalspielen, in denen es den Nutzern obliegt, gefährliche Verbrecher hinter Schloss und Riegel zu bringen. Apps wie Criminal Case und CSI: Hidden Crimes haben sich bereits als erfolgreiche Vertreter etabliert – ein weiterer Neuzugang kommt aktuell aus dem Hause Wooga und heißt Agent Alice. Vor wenigen Tagen erst ist das kostenlose Mobilegame für iOS und Android erschienen. Wir haben uns die App natürlich sofort heruntergeladen, um in der virtuellen Welt für Recht und Ordnung zu sorgen. In unserem Test verraten wir dir, wie viel Spannung die Jagd nach Kriminellen tatsächlich bringt.

Zur Einstimmung hier der offizielle Launch-Trailer:

Agent Alice stammt vom Berliner Entwickler Wooga und kann gewissermaßen als Fortsetzung des recht erfolgreichen Facebook- und Mobilegame Pearl’s Peril betrachtet werden. Agent Alice, Pearl’s Peril … was kommt als nächstes? Officer Olga? Wie dem auch sei: Schnell merken wir, dass das neue Spiel das Rad beim besten Willen nicht neu erfindet. Wieder handelt es sich um ein Wimmelbildspiel, das angereichert ist mit ein paar Minigames. Beispielsweise müssen wir hin und wieder Papierfetzen in Puzzles richtig zusammensetzen oder Codes knacken. Das kennen wir genauso aus allen bereits genannten Vertretern des Krimi-App-Genres. Der Einstieg ist simpel und auch für komplette Neulinge verständlich. Das liegt weniger an einer genialen Tutorial-Gestaltung, sondern vielmehr daran, dass das Spielprinzip sehr einfach gestrickt ist. Es gibt im Grunde nur drei Aufgaben: Suchbilder nach Gegenständen durchforsten, das ein oder andere Minispiel meistern und ... warten.

Je schneller wir alles antippen, desto mehr Punkte gibt's.

Überall unfreiwillige Komik – nur der Elfenkönig versteht keinen Spaß

Aber es gibt natürlich eine Story. Alice, die hübsche, junge, ehrgeizige Protagonistin wird zu einem Fall herangezogen, bei dem vieles nicht mit rechten Dingen zugeht. Übernatürliche Kräfte haben ihre Finger im Spiel – Träume scheinen schreckliche Realität zu werden und am Ende sterben Menschen. Schuld ist offenbar der mythische Elfenkönig Oberon, der mit tödlichen Pflanzen durch die Welt der Lebenden berserkert und selbst mit Schusswaffen nicht zu stoppen ist. Zum Glück ist Agent Alice mit ziemlich viel Vitamin B gesegnet – sie hat familiäre Beziehungen in fast allen relevanten Bereichen, sowohl bei der Presse als auch auf Seite der Gesetzeshüter. Und natürlich ist sie furchtlos und kräuselt maximal die Stirn ein wenig, wenn sie sich mit Gestalten aus einer Fantasy-Welt konfrontiert sieht.

Da hilft auch der Waschbrettbauch nix ... die Liebste möchte nicht mitkommen.

Das kommt uns von Anfang an ziemlich abstrus vor, aber ganz ehrlich: Wen interessiert schon die Story? Die Dialoge zwischen Alice, ihren Freunden und Kollegen beziehungsweise ihren Widersachern sind gelinde gesagt unglaubwürdig, was nur zum Teil an der mitunter ungelenken Übersetzung liegt. Am besten können wir das vielleicht mit einem Vergleich zu Criminal Case erklären. Dort wird überhaupt nicht so getan, als ob es ernst gemeint ist. Zwar sind die Fälle teils recht brutal und gruselig, die Verhöre werden aber immer mit einem Augenzwinkern geführt – und mit humorigen Schenkelklopfer-Sprüchen à la Navy CIS. In Agent Alice hingegen ist alles eher unfreiwillig komisch, jedenfalls wirkt Alice auf uns eher überambitioniert statt humorvoll.

Los, Alice ... mach du das mal!

Plötzlich geht die Post ab – So spannend wie ein Daumenkino

Kommen wir lieber mal zur Grafik. Da punktet Agent Alice durchaus. Die Wimmelbilder sind detailreich gestaltet, wobei die Suche vergleichsweise einfach ausfällt – selten kommen wir in die Lage, Tipps nutzen zu müssen, wobei wir eigentlich ausreichend davon zur Verfügung hätten. Was angesichts der auf Hochglanz polierten Bilder und Szenerien irritiert, sind die Bewegtbild-Sequenzen, die wieder in die Kategorie "unfreiwillige Komik" fallen. Wenn schon animiert, dann flüssig und nicht so Daumenkino-artig, bitte. In einer Szene fällt Alice beinahe vom Dach, was höchst dramatisch dargestellt ist – doch am Ende reagiert die Gute in einer Nahaufnahme wieder nur mit in die Höhe gezogenen Augenbrauen. Vielleicht ist sie einfach nur sehr hart im Nehmen.

Zwei Sterne müssen wir uns verdienen - mit vielen Wimmelbild-Versuchen.

Der eigentliche Spielspaß kommt häufig durch künstliche Wartezeiten ins Stocken. Sie sollen uns animieren, Geld auszugeben. Zum Beispiel können wir einfach mal stundenlang nichts tun im Spiel, weil Alice ihre "nächsten Schritte planen" muss. Wir könnten zwischendurch Wimmelbilder spielen, aber auch hierbei ist schnell Schicht im Schacht, denn für jeden Versuch müssen wir zehn Energie-Einheiten berappen und Energie füllt sich nur langsam wieder auf – es sei denn wir greifen erneut ins Portemonnaie. An der Stelle bemerken wir eines der Hauptprobleme von Agent Alice: Es gibt keine "Social Features". Wir können uns nicht mit Facebook verbinden und Freunde um Energie bitten. Das mag unsere Facebook-Freunde freuen, für uns ist es doof, weil wir außer zu warten und Geld auszugeben keine anderen Optionen haben. Schwer nachvollziehbar, warum dieses übliche Feature fehlt – womöglich kommt es später noch.

Ist die Energie alle, landen wir automatisch im Shop. Wie praktisch!

Stehen bleiben! Du hast noch kein Geld im Spiel ausgegeben!

Agent Alice Wertung

Grafik:Die Schauplätze sind alle sehr hübsch gestaltet, Daumen hoch dafür. Die animierten Sequenzen und Gesichtsausdrücke der Hauptfiguren hingegen lassen uns an oft sehr unpassenden Stellen schmunzeln.
Sound:Die Hintergrundmusik stört nicht weiter und nimmt etwas dramatischere Züge an, wenn wir gegen einen Schurken kämpfen. Ansonsten gibt es die üblichen Bling-Geräusche, wenn wir versteckte Items entdecken oder Belohnungen kassieren. Eine große Bereicherung ist die Klangkulisse insgesamt nicht, aber als Untermalung okay.
Umfang:Die Episoden von Agent Alice werden im wöchentlichen Rhythmus veröffentlicht. Je später jemand also anfängt zu spielen, desto mehr Inhalt gibt es. Da wir aber dauernd von Wartezeiten ausgebremst werden, dauert es auch so schon eine ganze Weile, bis wir an die Grenzen der verfügbaren Aufgaben stoßen.
Spielspaß:Eigentlich liegt der Spaß ja darin, Wimmelbilder und Minigames zu lösen. Leider können wir das nur in sehr begrenztem Umfang tun, da wir nach sieben Versuchen keine Energie mehr haben, um weitere zu starten. Wer nicht viel Geld ausgeben möchte, hat daher wenig Freude beziehungsweise nur für ein paar Minuten.
Free-to-Play-Balance:Agent Alice ist natürlich kostenlos spielbar, nur eben immer in kurzen Intervallen, nicht länger am Stück. Leider gibt es keine Möglichkeit, Freunde um Hilfe zu bitten, um Wartezeiten oder Echtgeld-Einsatz zu vermeiden.
Pro
Schöne Grafik, stimmiger Sound
Leichter Einstieg, auch für Wimmelbild-Unkundige
Contra
Gestelzte Dialoge und abstruse Story
Zu viele künstliche Spielspaßbremsen und lange Wartezeiten

0/5 Sterne

Fazit

Agent Alice ist durchaus erfolgreich gestartet, was die Nutzerzahlen angeht. Nach wenigen Tagen hatten sich Wooga zufolge mehr als drei Millionen Leute weltweit die App heruntergeladen. Interessant zu wissen wäre, wie lange es gedauert hat, bis sie das Spiel wieder deinstalliert haben. Nicht falsch verstehen: Agent Alice ist ein hochpoliertes Wimmelbild-Spiel mit wirklich schöner Optik und einem Hauch von Kreativität, was die Story angeht. Nur schränkt es den Spielspaß dermaßen ein, dass Fans des Genres wirklich anderswo mehr geboten bekommen – vielleicht nicht mit so ansehnlicher Grafik, dafür aber mit weniger Bezahlbarrieren. Einen Blick ist die App allemal wert und wer genug Geduld mitbringt, kann sich mehrmals am Tag kurz einloggen, ein paar Bilder spielen und dann wieder entspannt anderen Tätigkeiten nachgehen. Wer sich gerne in ein Spiel vertieft, wird mit Agent Alice wohl eher nicht glücklich.

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